Samstag, 26. Februar 2011

Selbsterkenntnis

Am 25. Oktober 2010 hat der Präsident der Bank von England, Mervyn A. King, in New York eine bemerkenswerte Rede zum Bankensystem gehalten. Und zwar in der in diesen Kreisen inzwischen üblichen Art, nämlich der Komplexität des Themas entsprechend in epischer Breite, geschmückt mit allerlei akademischen Fachsimpeleien. Zieht man den Schleier der Verwirrung aber weg, bleibt ins Deutsche übersetzt die folgende Essenz:

Das Bankensystem ist in seiner derzeitigen Form durch nichts und niemanden mehr zu regulieren. Den zuständigen Institutionen ist weltweit die Kontrolle entglitten, und zwar hinsichtlich Größe, Konzentration und Risiko von Banken. Wesentliche Ursachen hierfür liegen in der unkontrollierten Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken auf verschiedene Arten und der damit verbundenen internationalen Vernetzung von Finanzinstituten.

King sieht daher die Lösung am ehesten in der radikalen Abschaffung des bestehenden (fraktionalen Reserve-) Systems, da es für ihn nichts anderes als Alchemie darstellt, wenn angeblich risikolose Einlagen von risikobehafteten Anlagen gedeckt werden. Banken sollten sich viel stärker durch Eigenkapital, als durch kurzfristige Verbindlichkeiten finanzieren. „Viel, viel mehr Eigenkapital und viel, viel weniger kurzfristige Verbindlichkeiten. Riskante Investments können nicht anders finanziert werden.“ ruft er Ihnen zu.

Was Mervyn King also meint, ist schlicht folgendes:
  • Wir brauchen dringend ein neues Finanzsystem,
  • welches die Zockerei von der wirtschaftlich notwendigen Kreditvergabe trennt und
  • die Geldschöpfung hinsichtlich Menge und Verwendung für die Allgemeinheit kontrollierbar macht,
  • anstatt die Bankbilanzen in gesamtwirtschaftlich riskanter Weise aufzublähen. 
Und das sind durchaus bemerkenswerte Aussagen des obersten britischen Bankers. Es wäre zu wünschen, dass die Verantwortlichen in der Euro-Zone den gleichen Mut zu Reformen erkennen ließen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...