Samstag, 16. April 2011

Der Euro braucht keine Rettungsaktionen

Weder die Insolvenz irischer Banken noch eine Umschuldung griechischer Staatstitel brächte den Euro in ernste Gefahr. Politiker missbrauchten dieses Argument, um immer größere Hilfspakete zu schnüren. Wichtig sei die Stabilitätspolitik. Der Meinung ist Claudia Aebersold Szalay, Wirtschaftskorrespondentin der NZZ in Frankfurt.

Denn was den Euro wirklich in Gefahr bringen würde, wäre ein Bruch der EZB mit ihrer Stabilitätstradition. Wenn die Notenbank beim «bail-out» kriselnder Euro-Staaten von der Politik immer stärker involviert wird, könnte sich am Markt irgendwann die Erwartung einstellen, dass die EZB wegen dieser Rettungsaktionen ihren auf Preisstabilität ausgerichteten Kurs nicht mehr aufrechterhalten kann. Setzen sich solche Erwartungen erst einmal fest, sind sie hartnäckig und eine wahre Gefahr für den Euro.


Es gehe darum, den Euro zu retten – mit diesem Argument werben Europas Politiker, allen vorn die Bundesregierung, bei ihren Wählern für die EU-Rettungspakete für Griechenland, Irland und neuerdings auch Portugal sowie für den Europäischen Stabilitätsmechanismus. So politisch wirkungsvoll die Argumentation auch ist, so wenig ökonomischen Gehalt hat sie. Der Euro war nie in Gefahr. Von den Rettungsmaßnahmen der EU kann man halten, was man will, doch zur Rettung des Euro waren sie nicht nötig. Wer meint, die Überschuldung Griechenlands zum Beispiel oder der Quasi-Bankrott der irischen Banken könnten dem Euro nachhaltig schaden, verkennt grundlegende ökonomische Zusammenhänge. Wechselkurse sind in der langen Frist ein rein monetäres Phänomen. Sie spiegeln die Geldpolitik eines Landes oder Währungsraums gegenüber der eines anderen Landes wider. Auf lange Sicht ist es aber allein die Inflationsneigung einer Zentralbank, die die Stärke oder Schwäche einer Währung bestimmt.

Vielmehr stellen die Rettungspakete selbst eine weitere Gefahrenquelle für den Euro dar. Wenn immer größere „Rettungsschirme“ nötig werden und die wettbewerbsfähigen Länder der Euro-Zone deswegen immer größere Beträge entrichten müssen, könnte das die Verschuldungssituation auch von Kernländern wie Deutschland und Frankreich so stark verschlechtern, dass an der Wirtschaftskraft der Euro-Zone als Ganzes Zweifel aufkämen.

Die größte Gefahr für den Euro geht daher nicht vom griechischen oder dem portugiesischen Staat oder von den irischen Banken aus, sondern von jenen Politikern, die den Euro angeblich um jeden Preis retten wollen. Umso wichtiger wird es sein, dass die EZB mit ihrer Zinspolitik unabhängige, klar auf Preisstabilität orientierte Signale setzt.

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