Montag, 4. April 2011

Radikalere Reformen sind nötig

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Finanzkrise: Warum Großbanken ein Sicherheitsrisiko sind" vom 01.04.2011:

Das „too important to fail“ – Problem kann nur gelöst werden, wenn jedes Unternehmen des Finanzsektors scheitern kann, ohne dass ein Risiko besteht, dass die Gesamtwirtschaft bedroht wird. Die Ausweitung von Insolvenzverfahren auf große Institute ist deshalb zwar eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Stabilität des Bankensystems. Auch Steuern, Baseler Eigenkapitalvorschriften und spezielle Regelungen für systemisch wichtige Institute haben alle Nachteile und erfüllen die gestellte Aufgabe nur unzureichend. Radikale Reformen sind deshalb nötig, z.B. das Zahlungssystem von der risikobehafteten Kreditvergabe zu trennen – also das fraktionale Reservesystem abzuschaffen (siehe Fisher 1936, Friedman 1960, Tobin 1987, Huber 2004 und Kay 2009). Das Grundprinzip: Wenn Banken risikobehaftete Aktivitäten ausführen, ist es hochgefährlich, wenn ein solches „Zocken“ innerhalb derselben Bilanz durchgeführt wird, die für die Durchführung des allgemeinen Zahlungssystems und anderer wichtiger Teile der Finanz-Infrastruktur benötigt wird. Die Abschaffung des fraktionalen Reservesystems würde die Auffassung bestätigen, dass es nichts anderes als Alchemie darstellt, wenn angeblich risikolose Einlagen von risikobehafteten Anlagen gedeckt werden sollen. Wenn sowohl Gewinne als auch die Kosten bei einer einzigen Stelle anfallen sollen, dann ist der einzige Weg dorthin, dass solche Einlagen nicht gemeinsam mit riskanten Anlagen existieren dürfen.

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