Dienstag, 3. Mai 2011

Dollarschwäche hält an

Das Kapital

Geht der Dollar langsam an die Nerven?


Über die vergangenen Wochen hat die Dollarschwäche dem europäischen Aktienmarkt nichts anhaben können. Am Montag gab es erste Hinweise auf eine zunehmende Nervosität. Und wie ein Blick auf die Kaufkraftparitäten zeigt, wäre die bei Kursen von fast 1,50 Dollar je Euro durchaus angebracht.

Man soll es nicht für möglich halten. Im späten Montagshandel schien der Dollar die Anleger am europäischen Aktienmarkt tatsächlich etwas verängstigt zu haben. Nachdem die Gemeinschaftswährung einen neuerlichen kleinen Satz in Richtung 1,49 Dollar je Euro gemacht hatte, war die anfängliche Begeisterung der Anleger passé. Oder hatte es mehr damit zu tun, dass der Ölpreis nach der Bin-Laden-Meldung nur kurzzeitig nachgegeben hatte? Jedenfalls nehmen die Sorgen um den Dollar am Aktienmarkt wieder zu. Und das zu Recht.

Einen groben Anhaltspunkt für die Folgen der Dollar-Schwäche hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder geben die Kaufkraftparitäten, wie sie etwa von der OECD oder vom IWF geschätzt werden. Laut OECD-Daten (für 2010) wäre aus französischer Sicht beispielsweise ein Wechselkurs von 1,15 Dollar je Euro "angemessen", laut IWF (für 2011) sollte das Währungspaar bei 1,10 Dollar je Euro notieren. Noch "überbewerteter" sind etwa die Währungen Schwedens und vor allem der Schweiz und Norwegens. Umgekehrt sind asiatische Währungen wie der Renminbi oder der Won im Verhältnis zum Dollar erheblich unterbewertet geblieben, wenigstens im Vergleich zur Kaufkraftparität.

Das wäre zu verkraften, wenn Europa brummen würde. Aber davon kann ja keine Rede sein. Obwohl der "französische" Euro auf handelsgewichteter und realer Basis noch nicht gerade teuer ist, sind die nächsten Klagerufe wegen der Währungsentwicklung da wohl nur eine Frage der Zeit. Das sollte den Dollar-Bären ebenso zu denken geben wie der Umstand, dass sich immer mehr Analysten auf die Seite des Euro zu schlagen scheinen. Fundamental betrachtet bleibt es allerdings in der Tat schwer, den Reiz des Dollar zu erkennen.

Ein Land mit negativer nationaler Nettoersparnis, in dem sich die enorme Nachfragelücke trotz eines zweistelligen Defizits und einer Geld druckenden Zentralbank noch ausweitet, in dem inflationsgekoppelte fünfjährige Staatsanleihen mit minus 0,55 Prozent rentieren und dessen Aktienmarkt eine Dividendenrendite von 1,8 Prozent aufweist, kann eben kaum eine attraktive Währung aufbieten. Nicht mal im Verhältnis zum Euro. Und das soll schon etwas heißen.

Aus der FTD vom 03.05.2011
© 2011 Financial Times Deutschland

1 Kommentar:

  1. Der US-Dollar hat doch schon lange keinen Bezug mehr zu realen Werten. Seine Wertigkeit beruht seit 1964, als die Goldbindung aufgehoben wurde, nur noch auf einer Konvention, also einer Vereinbarung. Diese Vereinbarung kann natürlich jederzeit beliebig geändert werden, genauso wie die Wertigkeit des US-Dollar gegenüber anderen Währungen.

    Nun ist die US-Notenbank (FED), im Gegensatz zur Bundesbank zum Beispiel, eine privatwirtschaftlich geführte Zentralbank. Sie kann ihre Entscheidungen nicht nur unabhängig vom US-Staat und seiner Regierung treffen, sondern rein finanz-wirtschaftlich im Sinne seiner Eigentümer, den Privatbanken, handeln. Und diese Zentralbank bedruckt nun kräftig Papier mit grünen Dollarzeichen und exportiert es in alle Welt (meistens mehr als genug davon; siehe China oder Russland). Für jeden US-Dollar mit immer geringerem Wert, der in ein anderes Land wandert, muss dieses Land aber eine Ware oder Dienstleistung an die USA liefern, diesen Wert übersteigt. Das ist keineswegs mit normalem Handel zu verwechseln. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass dieser US-Dollar im fremden Land verbleibt und dort als "Sicherheit" gehortet wird. Ein Rücktransport der Geldnoten in die USA ist unmöglich, weil die inzwischen gigantische Menge alle Waren und Dienstleistungen in den USA um ein Vielfaches übertrifft. Nach allen Regeln der Ökonomie müssten die USA längst eine gallopierende Inflation besonderen Ausmaßes haben. Da das nicht der Fall ist, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen.

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