Montag, 9. Mai 2011

Es gibt eine globale Finanzkrise

"Wir haben keine Euro-Krise, sondern eine Krise der Europäischen Union", sagt Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

"Wer trägt die Hauptschuld an der großen Krise?

Die Finanzkrise hat Europas Schwächen zum Vorschein gebracht. Ihr gelten deshalb in diesem Zusammenhang vier wichtige Feststellungen:

1. Es gibt eine globale Finanzkrise. Die Regierungen der ganzen Welt müssen begreifen, dass Banken und Finanzinstitute den Zweck haben, der produzierenden Wirtschaft und der arbeitenden und sparenden Gesellschaft zu dienen. Keineswegs darf man zulassen, dass sie zum Selbstzweck entarten – und erst recht nicht zum ausschließlichen Zweck, ihre Manager zu bereichern. Keine Bank darf so groß sein, dass sie too big to fail wird. Banken sind für die Bürger da, nicht aber sind die Steuerzahler für die Banken da!

2. Die Hauptschuld an der Finanzkrise tragen die sowohl im Ausland als auch im Inland übermäßig verschuldeten USA und deren mangelhafte Aufsicht über ihre privaten Finanzinstitutionen. Ähnliches wie für Washington und für New York gilt für England und für die City of London.

3. Die Institutionen der EU sind keineswegs unschuldig. Sie haben geschlafen, als eine größere Zahl ihrer Finanzinstitute sich auf riskante Abenteuer eingelassen hat. Sie haben auch geschlafen, als sich einige ihrer Mitgliedsstaaten übermäßig verschuldet haben.

4. Die Mehrzahl der Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten ist noch nicht aufgewacht. Sie haben die langfristigen strategischen Notwendigkeiten nicht verstanden. Stattdessen geben sie der Versuchung zum national-egoistischen innenpolitischen Populismus nach. Dies gilt leider auch für die Bundesregierung."

Aus ZEIT online vom 07.05.2011: ... aber die Währung ist gut

1 Kommentar:

  1. Spätestens seit der jüngsten Finanzkrise dürfte bekannt sein, dass in der gegenwärtigen Geldordnung die exzessive Kreditvergabe von Geschäftsbanken schuld an einer schwer kontrollierbaren und äußerst riskanten Geldvermehrung ist. Geschäftsbanken haben bekanntlich eine schier unbegrenzte Möglichkeit, auf dem Weg der Kreditvergabe neues Geld zu schaffen, für das sie von den Schuldnern Zinsen verlangen können: Das wirklich große Geschäft der Banken besteht nämlich nicht darin, die bei ihnen deponierten Kundengelder als Kredite zu vergeben und so eine Zinsdifferenz zu kassieren, sondern darin, neu geschaffenes Geld ohne Deckung auszuleihen und den ganzen Zins einzustreichen.

    Mit einer exzessiven Kreditvergabe können die Geschäftsbanken ihre Profite in die Höhe treiben – zumindest so lange, bis die Schuldner nicht Pleite gehen, sonst folgt der Krach.

    Tritt dieser Krach, wie im jüngsten Fall, in Form einer systeminduzierten Finanzkrise ein, wird am Finanzsystem ein wenig geflickt: Banken werden auf Kosten der Steuerzahler gestützt, strengere Spielregeln erlassen. Will man das Problem wirklich an der Wurzel packen, müsste man allerdings nicht marode Banken verstaatlichen, sondern die Geldschöpfung – oder genauer formuliert: das staatliche Monopol der Geldschöpfung (wieder-)herstellen. Damit würde der kaum kontrollierbaren Geldvermehrungspraxis der Geschäftsbanken ein Ende gesetzt.

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