Sonntag, 1. Mai 2011

Griechen-Umschuldung

Chef von Euro-Rettungsfonds unterstellt Banken Gier

Reden die Banken eine Umschuldung Griechenlands herbei, um satte Provisionen zu kassieren? Dies glaubt der Chef des Euro-Rettungsfonds Klaus Regling - und spricht von einem "vielversprechenden" Geschäft für die Institute.
Düsseldorf - Der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling, hat im Zusammenhang mit der griechischen Schuldenkrise schwere Vorwürfe gegen die Banken erhoben. Die Geldbranche heize die Debatte über eine Umschuldung Griechenlands gezielt an, weil sie auf hohe Gewinne spekuliere, sagte Regling dem "Handelsblatt". "In den achtziger und neunziger Jahren haben die Banken für die Restrukturierung von Staatsschulden in Lateinamerika und Asien sehr hohe Honorare kassiert. Das würden sie in Europa gerne wiederholen."
Zwar würde eine Teilentschuldung des Landes einige Banken dazu zwingen, griechische Staatspapiere in ihrer Bilanz teilweise abzuschreiben, räumte Regling ein. Die dabei entstehenden Verluste würden sich aber "in Grenzen halten". Dagegen wären die mit einer Restrukturierung verbundenen Provisionen vielversprechend.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, glaubt ebenfalls, dass die Banken den Schuldenschnitt Griechenlands bewusst herbeireden wollen. Nach "Handelsblatt"-Informationen hat Trichet die Finanzminister der Euro-Zone explizit davor gewarnt, sich im Hinblick auf Griechenland von den Instituten beeinflussen zu lassen.
Die griechische Staatsverschuldung hat mittlerweile ein Niveau von rund 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Das ist der mit Abstand höchste Wert in der Euro-Zone. Die Renditen für Staatspapiere des Landes stiegen im Verlauf der vergangenenWochen dramatisch an. Außerdem musste die Regierung eingestehen, dass das Haushaltsdefizit 2010 höher war als zunächst angenommen.
Trotzdem beteuern die EZB und die EU-Kommission immer wieder, dass Griechenland aus seiner Misere ohne Umschuldung herauskommen könne. Im Falle einer Umschuldung würden die Kreditgeber des Landes auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
böl
 Quelle: SPIEGEL-Online vom 01.05.2011

1 Kommentar:

  1. Es ist schon eine interessante Strategie der Finanzbranche, ein Land solange mit Krediten zu füttern, bis deren Rückzahlung problematisch wird, was zu erhöhten Zinsen für die nächsten Kredite führt. Und wenn das Land dann endlich zahlungsunfähig ist, dann hilft man generös bei der Restrukturierung und kassiert dafür hohe Honorare. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die großen Banken auch in nicht unerheblichem Maßstab über Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) auf die Zahlungsunfähigkeit der Euro-Peripherie wetten. Sollte dort ein Land in die Umschuldung gehen, wird es in den Kassen einiger Banken reichlich klingeln – die Zeche zahlt auch in diesem Fall der Steuerzahler. Darüber hinaus dürften die Banken im Fall einer möglichen Umschuldung des Landes dann auch noch davon profitieren, dass sie zumindest einen Teil ihrer "faulen" Staatsanleihen gegen Forderungen gegenüber dem Eurostabilitätsfonds (ESZF) tauschen können, die im Rahmen des Eurostabilitätspaktes von anderen Eurostaaten (insbesondere Deutschland) zu garantieren sind. Eines ist also sicher: Die Banken gewinnen in jedem Fall! Übrigens: Nach Informationen großer Zeitungen sind deutsche Banken mit mind. 18 Mrd. Euro und französische mit rund 63 Mrd. Euro in Griechenland investiert.

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