Mittwoch, 18. Mai 2011

Vom Kapitalismus zum Pekunismus

Muss schon ziemlich ernüchternd sein für so jemanden wie Herrn Obama, wenn er seine hehren politischen Ziele endgültig auf dem Scheiterhaufen der Pekunisten verbrennen sieht. Denn mussten die Kapitalisten noch produktiv sein, um ihr Kapital zu mehren, so hat sich diese neue Gattung skrupelloser Finanzmarktakteure dieser lästigen Pflicht weltweit entledigt. Pekunisten produzieren nichts – sie entwickeln Verfahren, um aus nichts Geld zu machen, virtuelles Geld. Und jeder andere, auch ein Staat, der etwas davon abhaben möchte, muss es sich gegen Zinsen bei ihnen ausleihen, wenn er reale Gegenstände dafür kaufen will. 

Und da holt auch Herrn Obama die Geschichte wieder ein. Denn der Grundstein zum Pekunismus wurde mit dem Federal-Reserve-System in den USA selbst gelegt. Heute ist der Staat mit seinen überkommenen Strukturen nicht mehr in der Lage, mit diesen neuen Herausforderungen fertig zu werden. Parteien und Parlamente sind derart von Volks- zu Interessenvertretungen degeneriert, dass sie sowohl fachlich als auch moralisch restlos überfordert sind. Sie müssten aufgrund von Einsichten handeln, die sie nicht haben und Maßnahmen gegen die beschließen, von denen sie abhängig sind: Die Pekunisten drohen, jeden Verstoß gegen ihre Vorgaben gnadenlos mit Kapitalabwanderung oder ausbleibenden Kapitalzuflüssen zu bestrafen: „Die Experten der Denkfabrik Third Way sagen für den Fall eines Zahlungsausfalls ... eine Kreditklemme voraus.“ Lösungen gäbe es schon.

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Staatsverschuldung: Obama warnt vor 'schlimmer Finanzkrise'" vom 17.05.11

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