Mittwoch, 8. Juni 2011

Alternativer Stresstest stellt Europas Großbanken bloß

Der Schweizer Ratingboutique Independent Credit View zufolge wären vor allem die beiden italienischen Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo im Falle einer tiefen Rezession gefährdet. Auch die Commerzbank schneidet danach trotz der jüngsten Kapitalerhöhung verheerend ab.
Bild: FTD
Bemerkenswert gut schneidet demgegenüber die Deutsche Bank in der Untersuchung ab. Das Ergebnis vieler anderer europäischer Banken ist dagegen katastrophal. Fünf der letzten sechs Plätze unter weltweit 63 untersuchten Banken belegen Institute aus den Schuldenstaaten Portugal, Griechenland und Irland.

Das Schweizer Analysehaus legt in seinen Studien seit je her schärfere Stressszenarien zugrunde und warnte z.B. bereits im September 2007 – also ein Jahr vor der Pleite – vor Lehman Brother als "mit Abstand schwächsten Broker". In derselben Untersuchung wies I-CV auch vor hohen Risiken bei isländischen Instituten und deutschen Landesbanken. Das aktuelle Stressszenario geht nun von einem deutlich schärferen Konjunktureinbruch aus, als die EU bei ihrem offiziellen Test. Dementsprechend verlangen die Schweizer mehr Eigenkapital von den privaten Geldinstituten, nämlich eine so genannte harte Kernkapitalquote von 10 statt 5 Prozent. Zudem wirken sich hohe Bestände an ausfallgefährdeten südeuropäischen Staatsanleihen – anders als im EU-Stresstest – negativ auf das Ergebnis aus. Und anders als z.B. S&P oder Moody's verzichten sie darauf, bei systemrelevanten Banken eine Sozialisierung der Verluste, also die Annahme einer impliziten Staatshaftung in ihre Bewertung einfließen zu lassen.

Aus FTD vom 08.06.2011: Bankenstudie

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