Dienstag, 14. Juni 2011

"Rohstoffmärkte sind ein Witz"

Frankreichs Staatspräsident Sarkozy, derzeit Vorsitzender der G-20-Gruppe führender Wirtschaftsnationen, sieht in den zunehmenden Schwankungen an den Märkten eine akute Gefahr für das gerade wieder aufkeimende Wirtschaftswachstum.

"Diese Märkte sind ein Witz. Die Deregulierung der Finanzmärkte hat die Welt an den Abgrund geführt. Ein Markt ohne Regeln ist kein Markt mehr." Er werde die G-20-Staaten bitten, Berichte über die Lage auf ihren Agrarmärkten zu erstellen.

Dass europäische Handelsplätze nicht durch Regeln beeinträchtigt werden dürften, die an anderen Orten nicht bestehen, akzeptiere er nicht: "Wenn ein Land die Mafia nicht bekämpft, sollen wir alle deswegen die Mafia nicht mehr bekämpfen?" 

Wie auch auf anderen Märkten seien gerade im Agrarbereich Preisveränderungen meist unverständlich. "Wenn Preisveränderungen auf dem Wetter oder anderen nachvollziehbaren Entwicklungen beruhen, dann kann man das akzeptieren - aber nicht, wenn sie Folge der Spekulation an den Finanzmärkten sind." An den Finanzmärkten werde im Handel mit so genannten Derivaten ein Vielfaches des tatsächlichen Warenwertes umgesetzt. Niemand wisse, wer an den Märkten die Preise bestimme. Es sei "inakzeptabel", dass ein einziger Händler den gesamten verfügbaren Kakao aufkaufe, "ohne auch nur einen einzigen Cent dafür auszugeben" - und anschließend mit erheblichem Gewinn und immer noch ohne Investition eines einzigen Cent wieder verkaufe.

 Aus standard.at vom 14.06.2011: "Ein Witz"

1 Kommentar:

  1. Da sind wir aber mal gespannt, wie lange der Atem bei Herrn Sarkozy reicht. Denn heutzutage ist es praktisch nicht mehr möglich, einem Markt etwas zu befehlen.

    Das war nicht immer so. Solange Staats- und Finanzraum identisch waren und blieben, waren und blieben auch die Gebote der staatlichen Rechts- und Regelsysteme für beide Räume verbindlich. In der globalisierten Welt von heute gilt dies nicht mehr und die Akteure an den internationalen Finanzmärkten verfügen inzwischen über ein unvorstellbares Droh- und Erpressungspotenzial.

    Der Staat ist mit seinen überkommenen Strukturen nicht mehr in der Lage, mit diesen neuen Herausforderungen fertig zu werden. Parteien und Parlamente sind derart von Volks- zu Interessenvertretungen degeneriert, dass sie sowohl fachlich als auch moralisch restlos überfordert sind. Sie müssten aufgrund von Einsichten handeln, die sie nicht haben und Maßnahmen gegen die beschließen, von denen sie abhängig sind: Die Finanzmarktakteure drohen, jeden Verstoß gegen ihre Vorgaben gnadenlos mit Kapitalabwanderung oder ausbleibenden Kapitalzuflüssen zu bestrafen.

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