Mittwoch, 6. Juli 2011

Ein neues Geldsystem in den USA?

Man mag ja von ihm halten, was man will. Und selbst sein Parteifreund, US-Präsident Barack Obama, dürfte ihn wohl schon das eine oder andere Mal wenigstens als „unbequem“ bezeichnet haben. Eines jedoch ist der streitbare und couragierte Kongressabgeordnete Dennis Kucinich mit Sicherheit nicht: feige. Und so wäre es auch nicht verwunderlich, wenn die Nachricht stimmen würde, dass Kucinich nun kürzlich in einer Eingabe an das Repräsentantenhaus eine radikale Reform des Geldsystems in den USA, also der Hochburg des Pekunismus*) schlechthin, fordert.

Ziel seines Reformvorschlags sei es,
1.
-         Vollbeschäftigung zur Sicherung der nationalen Wirtschaft zu schaffen,
-         für öffentliche Investitionen in die Kapital-Infrastruktur zu sorgen,
-         für eine Senkung der Kosten für öffentliche Investitionen zu sorgen,
-         die Staatsschulden zu tilgen,
-         das Sozialversicherungs-Rentensystem zu stabilisieren,
-         die Autorität des Kongresses wieder herzustellen, Geld zu schöpfen und es zu regulieren,
-         das Geldsystem der Vereinigten Staaten zu modernisieren und zu stabilisieren und
-         andere öffentliche Zwecke zu bedienen,
2.
die Schöpfung von Geld oder Kaufkraft abzuschaffen, die durch Privatpersonen mittels Kreditvergabe im fraktionalen Reservesystem oder mit anderen Mitteln erzeugt werden,
3.
die Regierung in die Lage zu versetzen, vom Kongress autorisiert neues Geld in Umlauf zu bringen oder zu verleihen und Mittel für öffentliche Investitionen in die Kapital-Infrastruktur bereitzustellen,
4.
das Federal Reserve System als ein ausführendes Organ in das Finanzministerium zu integrieren und andere Regelungen für die Neuordnung des Federal Reserve System zu treffen,
5.
für einen geordneten Übergang zu sorgen,
6.
andere Regelungen zu treffen, um den Zweck dieses Gesetzes zu erfüllen.

Und wie soll das alles geschehen? Ganz einfach durch

Ausübung des in Artikel 1 der Verfassung der USA verankerten Rechts des Staates, dass die Autorität, Geld in den Vereinigten Staaten zu schaffen, ausschließlich die Sache der Regierung ist.

Kucinich führt allein 29 Gründe – im wesentlichen basierend auf der ungerechten Verteilung des Geldes – für die Abschaffung des bestehenden Geldsystems an, angefangen von der
-  Auflistung der erschreckenden Zahlen an Arbeitslosen, Armen, Hungernden, Obdachlosen, Privatinsolvenzen und leer stehenden Wohnimmobilien in den USA über
-   die allgemeinen wirtschaftlichen Folgen wie wachsende und unangemessene Konzentration von Reichtum, ungezügelte Expansion der privaten und öffentlichen Schulden, Inflation oder die ständige Aushöhlung der Leistungsfähigkeit des Kongresses, seine verfassungsmäßigen Pflichten bei der Schaffung von Wohlstand für alle Amerikaner auszuüben, bis hin zu der
-     Entwicklung im Bankensektor: Wertsteigerungen nach dem Schneeballprinzip, extremes Aufblasen der Werte von Beteiligungen und Bilanzen, Verlockung ahnungsloser Investoren zum Kauf hochsensibler Finanzprodukte wie die Bündelung von Subprime-Hypotheken und letztendlich der Beinahezusammenbruch unterkapitalisierter Banken und des gesamten Finanzsystems, was zur Folge hatte, dass der Steuerzahler für die unbesonnenen Geldschöpfungspraktiken, Verschwendungen und Fehlinvestments der Branche aufzukommen hatte. Die Fähigkeit der Banken, Geld aus dem Nichts zu schaffen, wurde letztendlich zur Belastung für den Steuerzahler und stellt grundsätzlich eine Praxis infrage, die zur Bedrohung des allgemeinen Wohlstands wird.

Dunkle Wolken über dem Yachthafen von San Diego
Gleichgültig, ob sich diese Meldung von der Gesetzeseingabe nun bestätigt oder nicht oder wie sie in einem etwaigen parlamentarischen Verfahren in Washington abgehandelt wird – zuzutrauen wäre sie Dennis Kucinich allemal. In jedem Fall wird hieran einmal mehr deutlich, dass der öffentliche Widerstand gegen das bestehende Geld- und Finanzsystem und mit ihm die Erkenntnis einer dringend notwendigen Veränderung weltweit wächst. Bleibt eigentlich nur die Frage: Wo ist denn der deutsche Dennis Kucinich?

*) Pekunismus ist eine Weiterentwicklung des klassischen Kapitalismus. Musste der Kapitalist noch produktiv sein, um sein Vermögen zu mehren, so hat sich der Pekunist der lästigen Pflicht zur Produktion realer Güter entledigt. Um sein Geld zu vermehren, verwendet er nur sein Geld. Der Pekunist produziert nichts. Er entwickelt Verfahren, um aus nichts Geld zu machen. Dabei ist er auf virtuelles Geld angewiesen, mit dem er allerdings reale Gegenstände kauft, die seinen luxuriösen Lebenswandel veranschaulichen. Der markanteste Wesenszug des Pekunisten ist seine absolute Skrupellosigkeit. Aber auch der Pekunist, oder vor allem er, stirbt am Herzinfarkt.
Quelle: Haisenko: Bankraub globalisiert

1 Kommentar:

  1. Das Eindrucksvolle ist, dass die Amerikaner bereits morgen früh die Geldschöpfung zurück in die öffentliche Hand überführen könnten. Wie Kucinich sagt, sie müssen einfach nur das in Artikel 1 der Verfassung verankerte Recht zur staatlichen Geldschöpfung ausüben...

    Das ist zwar keine Lösung, aber es wäre der berühmte erste Schritt. Es ist doch so einfach!


    "Wo ist denn der deutsche Dennis Kucinich?"

    Meinst du das ernst? ;)

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