Mittwoch, 24. August 2011

Die Frösche sind anderer Meinung

„Ratlosigkeit“ ist noch eines der eher schmeichelnden Attribute, die sich die politisch Verantwortlichen weltweit gegenwärtig  anhören müssen, wenn ihr Entscheidungsverhalten in Bezug auf die Probleme in der Finanz- und Geldpolitik kommentiert wird. Und das muss nicht wundern, wenn man die getroffenen Konsequenzen aus der jüngsten Finanzkrise betrachtet. Zusammenfassend lässt sich feststellen:

Die bisherigen Reformansätze des politisch-wissenschaftlich-finanzindustriellen Komplexes verdienen keine eingehende Betrachtung!*

Sie fallen meist nur punktualistisch aus, wie beispielsweise an der Superbonussteuer in Großbritannien oder der zeremoniell-symbolischen Einführung des Verbots von ungedeckten Leerverkäufen bei Staatsanleihen und einiger börsennotierter Unternehmen in Deutschland zu erkennen ist. Die Verursacher der Finanzkrise können derlei Reaktionen kaum fassen, zahlen sich einfach neue Superboni aus oder strukturieren ihre Fantasiegehälter um und gewinnen wieder zynisch-arrogant Oberwasser: „Banken verrichten das Werk Gottes.“

Das alles muss niemanden wundern, so lange diejenigen, die den Finanzmarkt reformieren oder doch zumindest regulieren sollen, sich dem Problem aus der Perspektive des Finanzmarktes selber nähern.
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Wer den Sumpf trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen.


Mit anderen Worten: So lange sich Politik und (angeschlossene) Medien bei der Beurteilung des aktuellen Geld- und Finanzsystems allein auf Analysen und Empfehlungen systemfreundlicher Finanzwissenschaftler und Banker stützen, werden keine substantiellen Reformen zum Wohle der Allgemeinheit zu erwarten sein. In wenig informativen und theorielosen Ursachenaneinanderreihungen der jüngsten Finanzkrise kommen die Autoren – wenn überhaupt – nahezu ausnahmslos zu dem Schluss, dass bei Abwägung aller Fakten ein Festhalten an der Effizienzmarkthypothese die beste Lösung darstellt, also im Prinzip ein „weiter so“. 

Wer steckt nun aber hinter diesen Berichten und Analysen? Hier eine (unvollständige) Auflistung:
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Der Rat hat fünf Mitglieder, die vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung jeweils für die Dauer von fünf Jahren berufen werden.

Sie diente unter dem Namen "Neue Finanzarchitektur" auf  deutscher Seite der Vorbereitung der G 20-Gipfel. Neben Otmar Issing gehörten ihr Jörg Asmussen, Jan Pieter Krahnen, Klaus Regling, Jens Weidmann und William White an. Nur Letztgenannter kann als unabhängig bezeichnet werden, da er weder zum Berliner Klüngel gehörte, noch ein Vertreter der politischen Administration war, noch auf der Verdienstliste privater Finanzinstitute stand.

 

De Larosière-Gruppe auf europäischer Ebene
Sie wurde 2008 vom konservativen Präsidenten der EU-Kommission, José Barroso, ins Leben gerufen. Mitglieder: Otmar Issing (nach seinem Ausscheiden als Berater bei Goldman Sachs), der bekennende Neoliberale Leszek Balcerowicz, der dem „American Enterprise Institute“ verbunden ist und seit Gründung beim Brüsseler Think Tank „Bruegel“ arbeitet, zu dessen Sponsoren auf privater Seite u.a. die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Unicredit, Und Fortis gehören, Rainer Masera, der u.a. Präsident von San Paolo IMI ist, dem der Fiat-Dynastie nahestehenden Finanzkonzern, Callum McCarthy, der seit den 1980er Jahren bei den Investmentbanken „Kleinwort Benson“ und „Barclays“ arbeitete sowie Onno Ruding, der zeitweise niederländischer Finanzminister war und seine längste aktive Zeit bei der „Amro Bank“ und über ein Jahrzehnt bis zu seiner Pensionierung 2003 bei „Citicorp/Citibank“ verbrachte.

Zu den Mitgliedsinstitutionen gehören die EZB, die Zentralbanken u.a. Australiens, Kanadas, der USA, Italiens, Japans usw., die BIZ, die OECD, aus den USA neben der FED das Finanzministerium und die SEC, aus Deutschland das Finanzministerium, die Bundesbank und die Bafin.

Diese Gruppe, die 2008 von Gerald Corrigan (Managing Director bei „Goldman Sachs“) und Douglas Flint (inzwischen Chairman bei „HSBC“) gegründet wurde, kann international als Gedankenwerkstätte oder als Interessenvertretung angesehen werden.

Eine aus Wissenschaftlern (Brunnermeier/Princeton, Goodhart/London School of Economics, Shin/Princeton) und Finanzmarktakteuren (Crocket/JP Morgan Chase, Persaud/Intelligence Capital Limited) bestehende Gruppe.




So werden die Bürger bei den Regierungen vertreten. Die Liste ließe sich noch fortsetzen, der Geschmack bleibt in jedem Fall der selbe: Die Änderungsvorschläge aller Gruppen fallen wenig radikal, unpräzise, lapidar und mit Allgemeinplätzen gespickt aus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.



*) Besonders Interessierte seien auf das Buch von Helge Peukert, "Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise", verwiesen.

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