Mittwoch, 10. August 2011

Heiße Luft

Mit der Herabstufung der Bonität der USA hat die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) „die Märkte erschüttert“ und binnen kurzem „Milliarden vernichtet“(Mediensprache). Mal ganz unabhängig von der Frage, welche Märkte (Plural!) hier gemeint und wessen wie auch immer erzielte und wo auch immer deponierte Milliarden hiervon betroffen sind – mit dem Aktienkurs ändert sich an der Realität nichts. Wenn der Aktienkurs fällt, verschwinden keine Gebäude. Wenn der Aktienkurs steigt, ist deswegen kein ausgebildeter Facharbeiter mehr da – eher im Gegenteil. Aktienkurse sind irreal und, wie das Geld selbst, weitgehend virtuell geworden.

Das Rauschen im medialen Blätterwald gründet sich auf einer wahren Ekstase an mehr oder minder unsinnigen „Analysen“. Das ist ebenso lächerlich und irrelevant wie die Entscheidung von S&P – zumindest so lange wie die US-Regierung so weiter verfährt wie bisher. Die USA, Japan und die meisten anderen Staaten
  •  haben das exklusive Monopol über die Ausgabe ihrer eigenen Währung und sind in dieser immer zahlungsfähig, solange es reale Güter und Dienstleistungen zum Verkauf gibt,
  •  müssen sich nichts leihen, um ihre Netto-Ausgaben über die Besteuerung hinaus zu finanzieren. Im allgemeinen unterliegen souveräne Staaten keiner Einnahmebeschränkung, weil sie das Monopol auf die Ausgabe von Geld haben.
  • haben die Macht, die Entscheidungen der Zentralbank sowohl hinsichtlich Zinsveränderungen als auch Anleihekäufen zu kontrollieren. Mit anderen Worten: trotz des Labyrinths an Regeln und Gesetzen, die die Unabhängigkeit der Zentralbank dokumentieren sollen, ist es am Ende doch immer die jeweilige Regierung, die das Sagen hat.
Bei dieser Art von Geldsystem - dem Fiat-Währungssystem - ist es immer die Staatsgewalt, die regiert. Die Zentralbank setzt die Zinssätze im kurzfristigen Bereich und die Stabilitätsstruktur einer Währung wird eher durch Erwartungen hinsichtlich des Inflations- als des Ausfallrisikos bestimmt.

Die USA können also ohne weiteres nicht pleite gehen. Sie können auch zukünftig in dem existierenden System jede Schuld begleichen, weil sie immer das Geld dafür drucken können. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall gleich Null. Wenn S&P anderer Meinung ist, kann das nur andere Gründe haben: Etwa unternehmenseigene, um den Profit zu steigern, oder politische, um die Obama-Regierung unter Druck zu setzen. "Die sollte am besten sofort ein Gesetz zum Verbot der Ratingagenturen erlassen, ihre Ausgaben erhöhen, um damit eine Jobgarantie für alle auszusprechen, und den politischen Zuspruch genießen, den sie durch die Beseitigung der Arbeitslosigkeit erfahren würde." empfiehlt Bill Mitchell in seinem Blog:

"The following pie-chart is the result of some calculations as at March 2011. It shows the proportions of total US Public Debt held by various “interesting” categories. This chart tells you that the government sector held about 42 per cent of its own debt in March 2011 and the private sector held the rest (of-course).
The scare-mongering campaign that has been waged by the deficit terrorists in recent years holds out that US public debt holdings are dominated by the Chinese. If you call 8 per cent a domination then your sense of calibration is different to mine. The three largest foreign US debt holders at March 2011 are China (8 per cent); Japan (6.4 per cent) and Britain (2.3 per cent). The total foreign held share was equal to 31.4 per cent in March 2011."

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