Zumindest diesmal kein Schweizer. Eher wohl der
amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher, der seine
schlechten persönlichen Erfahrungen mit der Weltwirtschaftskrise 1935 in seinem
Buch „100%-Money“ verarbeitete und damit als Begründer der so genannten „Vollgeld-Theorie“
gelten dürfte. Wie das so ist mit (wirtschafts-)wissenschaftlichen Theorien, hat
auch diese über die Zeit eine große Zahl an illustren Kritikern und
Befürwortern gefunden. Im Einzelnen darauf einzugehen, würde den Rahmen dieses
Beitrags sprengen. Nur so viel sei gesagt: Fishers Plan sieht vor, das
alleinige Recht des Staates wiederherzustellen, Geld zu schaffen und in Umlauf
zu bringen, eben nur 100% staatliches Geld zu haben. Damit packt er ganz
offensichtlich ein Grundübel unseres Geldsystems an der Wurzel, nämlich die
unkontrollierte Schöpfung von (Buch-)Geld durch die privaten Geschäftsbanken mittels
Kreditvergabe, wodurch es in der Folge von großen Boom- und Deflationsphasen nach
wie vor immer wieder zu Finanzkrisen kommt. Und das mit den bekannten negativen
Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Allgemeinheit.
Knapp 80 Jahre nach Fisher greift nun mit dem demokratischen
Kongressabgeordneten Dennis
Kucinich ein namhafter, aktiver US-Politiker diese Idee engagiert wieder
auf. Kucinich fordert in einer Eingabe
an das Repräsentantenhaus (Ende 2010) nichts weniger, als die Wiederherstellung des in
der amerikanischen Verfassung verbrieften Rechts des Staates, wonach die
Autorität, Geld in den Vereinigten Staaten zu schaffen, ausschließlich die
Sache der Regierung ist. Er leitet daraus ein komplettes Wohlfahrtsprogramm für
die USA ab und führt 29 Gründe – im Wesentlichen basierend auf
der ungerechten
Verteilung des Geldes – für die Abschaffung des bestehenden
Geldsystems an.
Der Zeitpunkt für die Initiative scheint
klug gewählt: Lange nicht mehr hat der (babylonische) Bau aus systembedingt exponentiell
wachsendem Geldvermögen weniger, aufgetürmt auf den
Schulden vieler in der Welt, so sehr gewankt wie gerade gegenwärtig. Ob
allerdings die skizzierte Reform in den USA allein den Turm zum Einsturz
bringen kann, bleibt abzuwarten. Mehr als ein erster Steinwurf ist es allemal.
Und was einst in Babylon passiert ist, wissen wir alle. Die begleitenden
Eigenschaften unseres Geldsystems heute jedenfalls, das Gier, Machtstreben,
Hass, Eifersucht, Eigensinn und andere trennende Verhaltensweisen in
bedrohlichem Maße generiert, hat die menschliche Entwicklung nicht gefördert
und ähnelt verdächtig den überlieferten Zuständen aus biblischer Vorzeit.
Bleibt die Frage: Sieht irgendjemand
irgendwo einen deutschen Dennis Kucinich?
Und die Schweizer? Na, immerhin gibt es bei
ihnen schon mal ernsthafte Bestrebungen für eine Volksinitiative zur
Verstaatlichung der Geldschöpfung. Vielleicht nutzen sie ja
ebenfalls die Gunst des Augenblicks. Denn wer zu spät kommt...
Meine Eingabe als Leserartikel bei ZEIT online am 19.08.11. Trotz einiger Links auf ZEIT online wurde der Artikel nicht gebracht - kommentarlos. Wäre eigentlich auch zu schade gewesen.

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