Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ablenkungsmanöver

Vergleicht man die Höhe der Eigenkapitalquote bei Banken mit derjenigen bei nichtfinanziellen Unternehmen der Wirtschaft, wird einem der ganze Schwachsinn der augenblicklich ausgetragenen öffentlichen Diskussion erst so richtig deutlich. Während hier um lächerliche 7 bis 10 Prozent "gestritten" wird, weist dort die Bilanzsumme nicht selten das zwei- bis dreifache des Eigenkapitals auf, womit die Eigenkapitalquote bei bis zu 50% liegen kann. Das kommt dabei heraus, wenn es sich die Finanzindustrie erst einmal in der Komfortzone eines impliziten Rettungsschirms gemütlich gemacht hat.
Die nicht gewichtete bilanzielle Eigenkapitalquote von Finanzinstituten sollte bei ungefähr 30% liegen.

Wer solche Forderungen für zu hoch oder sogar utopisch hält, sei daran erinnert, dass sie nach 1945 über viele Jahrzehnte ohne größere Probleme den Standard darstellten. Anfang Oktober 2010 wurde von der Schweiz für die Großbanken UBS und Crédit Suisse eine insgesamt harte Eigenkapitalquote von 19% vorgeschrieben. Die beiden Banken haben die Vorschrift akzeptiert. Vielleicht haben sie hierdurch sogar einen Wettbewerbsvorteil.
Und die Mainstreampresse? Wie üblich verzichtet sie darauf, bei ihrer aktuellen Berichterstattung über die neuen Stresstests in die Tiefe zu gehen. Stattdessen wird das alberne Herumdoktern an den Symptomen mit militärischen Begriffen dramatisiert, um den Leser vom weiteren Nachdenken abzulenken. Sonst könnte ja noch jemand auf die Idee kommen zu fragen, ob nicht andere Regulierungsmaßnahmen im Bankensektor viel wichtiger und dringender seien:
  1. Die Umwandlung von Sichtguthaben in Vollgeld
  2. die Größenbegrenzung der Banken auf 100 Mrd. Bilanzsumme und
  3. die institutionelle Trennung der Finanzinstitute in Geschäftsbanken und Investmentbanken.

    ... --> Reformvorschlag

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