Ablenkungsmanöver
Vergleicht
man die Höhe der Eigenkapitalquote bei Banken mit derjenigen bei
nichtfinanziellen Unternehmen der Wirtschaft, wird einem der ganze
Schwachsinn der augenblicklich ausgetragenen öffentlichen Diskussion
erst so richtig deutlich. Während hier um lächerliche 7 bis 10 Prozent
"gestritten" wird, weist dort die Bilanzsumme nicht selten das zwei- bis
dreifache des Eigenkapitals auf, womit die Eigenkapitalquote bei bis zu
50% liegen kann. Das kommt dabei heraus, wenn es sich die
Finanzindustrie erst einmal in der Komfortzone eines impliziten
Rettungsschirms gemütlich gemacht hat.
Die nicht gewichtete bilanzielle Eigenkapitalquote von Finanzinstituten sollte bei ungefähr 30% liegen.
Wer solche Forderungen für zu hoch oder sogar utopisch hält, sei
daran erinnert, dass sie nach 1945 über viele Jahrzehnte ohne größere
Probleme den Standard darstellten. Anfang Oktober 2010 wurde von der
Schweiz für die Großbanken UBS und Crédit Suisse eine insgesamt harte
Eigenkapitalquote von 19% vorgeschrieben. Die beiden Banken haben die
Vorschrift akzeptiert. Vielleicht haben sie hierdurch sogar einen
Wettbewerbsvorteil.
Und die Mainstreampresse? Wie
üblich verzichtet sie darauf, bei ihrer aktuellen Berichterstattung über die neuen Stresstests in die Tiefe zu
gehen. Stattdessen wird das alberne Herumdoktern an den Symptomen mit militärischen Begriffen dramatisiert, um den Leser vom weiteren
Nachdenken abzulenken. Sonst könnte ja noch jemand auf die Idee kommen
zu fragen, ob nicht andere Regulierungsmaßnahmen im Bankensektor viel
wichtiger und dringender seien:
Die
Umwandlung von Sichtguthaben in Vollgeld,
die Größenbegrenzung der
Banken auf 100 Mrd. Bilanzsumme und
die institutionelle Trennung der
Finanzinstitute in Geschäftsbanken und Investmentbanken.
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