Mittwoch, 19. Oktober 2011

Auch du, ...?


Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 war Joachim Gauck für SPD und Grüne angetreten. Nun kritisiert er die Anti-Banken-BewegungOccupy“ und ist der Überzeugung, dass diese schnell wieder beendet sein werde. Gauck nennt es „romantische Vorstellung“ und „Träumerei“, wenn man an eine Welt ohne die Bindung an die Märkte glaube.

All dies mag man durchaus noch verstehen, wenn man bedenkt, wo Herr Gauck aufgewachsen ist und zu welcher Generation er gehört. Mit dem Hinweis, "Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren" beweist er jedoch, dass auch er nicht verstanden hat (oder nicht verstehen will?), um was es eigentlich geht. Es geht seriösen, demokratischen Reformern des Bankensystems nämlich nicht um die Verstaatlichung der Institute, sondern vor allem um die Verstaatlichung der Geldschöpfung.

Fachlich könnte man Gaucks Aussagen noch auf die auch bei aktiven Politikern weit verbreitete und gleichermaßen gefährliche Unwissenheit in diesen Dingen schieben. Moralisch ist sie darüber hinaus insoweit verwerflich, als sie ein hochgradig unsoziales und umweltfeindliches System stützt und dazu beiträgt, dass die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Gesellschaft weiter zunehmen – wachsendes Vermögen weniger zu Lasten vieler. 

Es bleibt die Frage, wie der Herr Pastor das denn wohl mit seinem Glauben und der christlichen Lehre vereinbaren kann. Möglicherweise ist ihm aber einfach nur das Hemd näher als die Jacke, wenn er daran denkt, das zu den Geretteten der HRE seinerzeit auch die Evangelische Kirche gehörte (202 Mio. Euro an unbesicherten Geldmarktaufnahmen und Schuldscheindarlehen; nachrichtlich: Katholische Kirche 190 Mio. Euro). Und Dankbarkeit gehört ja bekanntlich auch zu den christlichen Tugenden.

Wer noch vor einem Jahr Joachim Gauck als den Hoffnungsträger einer neuen, stärker am Gemeinwohl orientierten Politik gesehen hat, wird sich nun möglicherweise insgeheim bei den Linken dafür bedanken, dass doch alles anders kam. Der EntTäuschung wurde das „Ent“ genommen.


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