Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 war Joachim Gauck für SPD
und Grüne angetreten. Nun kritisiert er die Anti-Banken-Bewegung „Occupy“ und
ist der Überzeugung, dass diese schnell wieder beendet sein werde. Gauck nennt
es „romantische Vorstellung“ und „Träumerei“, wenn man an eine Welt ohne die
Bindung an die Märkte glaube.
All dies mag man durchaus noch verstehen, wenn man bedenkt,
wo Herr Gauck aufgewachsen ist und zu welcher Generation er gehört. Mit dem
Hinweis, "Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren"
beweist er jedoch, dass auch er nicht verstanden hat (oder nicht verstehen
will?), um was es eigentlich geht. Es geht seriösen, demokratischen Reformern des Bankensystems nämlich
nicht um die Verstaatlichung der Institute, sondern vor allem um die Verstaatlichung der Geldschöpfung.
Fachlich könnte man Gaucks Aussagen noch auf die auch bei
aktiven Politikern weit verbreitete und gleichermaßen gefährliche Unwissenheit in
diesen Dingen schieben. Moralisch ist sie darüber hinaus insoweit verwerflich,
als sie ein hochgradig unsoziales und umweltfeindliches System stützt und dazu
beiträgt, dass die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Gesellschaft weiter
zunehmen – wachsendes Vermögen weniger zu Lasten vieler.
Es bleibt die Frage, wie der Herr Pastor das denn wohl mit
seinem Glauben und der christlichen Lehre vereinbaren kann. Möglicherweise ist
ihm aber einfach nur das Hemd näher als die Jacke, wenn er daran denkt, das zu
den Geretteten der HRE seinerzeit auch die Evangelische Kirche gehörte (202 Mio.
Euro an unbesicherten
Geldmarktaufnahmen und Schuldscheindarlehen; nachrichtlich: Katholische Kirche
190 Mio. Euro). Und Dankbarkeit gehört ja bekanntlich auch zu den christlichen
Tugenden.
Wer noch vor einem
Jahr Joachim Gauck als den Hoffnungsträger einer neuen, stärker am Gemeinwohl
orientierten Politik gesehen hat, wird sich nun möglicherweise insgeheim bei
den Linken dafür bedanken, dass doch alles anders kam. Der EntTäuschung wurde
das „Ent“ genommen.
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