Donnerstag, 1. Dezember 2011

Klüngelei

...oder: Wie man sich in der wunderbaren Finanzwelt eines lästigen Konkurrenten entledigt.

So manchen interessierten Zeitgenossen wird sicherlich schon einmal die folgende Frage bewegt haben: ‚Wieso ist eigentlich ausgerechnet Goldman Sachs bislang so gut durch die Finanzkrise gekommen, die in 2008 durch den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ins Rollen kam?‘

Nun, Verschwörungstheoretiker haben die Antwort darauf natürlich schon lange gewusst:
‚Weil der Ex-Goldman Sachs-Mann Henry (‚Hank‘) Paulson seinerzeit gerade US-Finanzminister war.‘

Lehman Brothers galt vor der Krise als Nummer 4 unter den Investmentbanken der USA, nach Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merrill Lynch. Nachdem die amerikanische Regierung im Herbst 2008 drei große Banken (Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac) mit Milliarden Dollar gestützt hatte, war der politische Druck, weitere Banken nicht aufzufangen, so groß geworden, dass Paulson (Gegenspieler des Lehman-Vorstandsvorsitzenden Richard Fuld) nach der Absage der englischen Barclays-Bank, sich an Lehman zu beteiligen, keine weitere Unterstützung bereitstellte, was – entgegen dem bisherigen Grundsatz too big to fail – zur Insolvenz von Lehman führte.

Jetzt weiß man definitiv, dass Paulson bereits Monate vor der Lehman-Pleite mit Goldman Sachs Managern über diese Möglichkeit sprach. Kein Wunder also, dass Goldman Sachs selbst im entscheidenden Moment dann fast keine Positionen mehr mit Lehman hatte. 




Für eine derartige Insiderinformation dürfte wohl der gemeine Hedgefonds-Manager einen Haufen Geld auf den Tisch legen. Und, sofern er dabei erwischt würde, wohl auch mit einiger Sicherheit in den Knast wandern. Aber als US-Finanzminister mit Goldman-Vergangenheit scheint man sich das wohl erlauben zu dürfen ...?

Wer allerdings glaubte, dass die Drehtürpolitik, bei der die personellen Verflechtungen zwischen Wissenschaft, Politik und Finanzwelt auf das Verhältnis zwischen Washington und Wallstreet begrenzt seien, verkennt den Stand der internationalen Entwicklung. Die Goldman-Connection hat sich jetzt auch in Europa entscheidende finanzpolitische Positionen gesichert: Nach Otmar Issing, seit 2007 International Advisor von Goldman Sachs, der die Bundesregierung 2008 bei der Reform der internationalen Finanzmärkte beriet, hat die Investmentbank inzwischen mit Mario Draghi als EZB-Chef, Lucas Papademos als neuem griechischen Premierminister (hat vor einem Jahrzehnt den Beitritt Griechenlands in die Eurozone vorbereitet. Beim entsprechenden Präparieren der Bilanzen, dem Verschleiern der tatsächlichen Verschuldung, half Goldman Sachs) und Mario Monti als neuem italienischen Ministerpräsidenten drei ihrer Ehemaligen (bzw. Mitstreiter) mitten im Zentrum der europäischen Geldpolitik platziert.

Wer mehr über Goldman Sachs erfahren möchte, dem sei dieser ARTE-Film empfohlen:

Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt

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