...oder: Wie man sich in der wunderbaren Finanzwelt eines
lästigen Konkurrenten entledigt.
So manchen interessierten Zeitgenossen wird sicherlich schon
einmal die folgende Frage bewegt haben: ‚Wieso ist eigentlich ausgerechnet Goldman Sachs bislang so gut durch die Finanzkrise gekommen, die in 2008 durch den
Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ins Rollen kam?‘Nun, Verschwörungstheoretiker haben die Antwort darauf natürlich schon lange gewusst:
‚Weil der Ex-Goldman Sachs-Mann Henry (‚Hank‘) Paulson seinerzeit gerade US-Finanzminister
war.‘
Lehman Brothers galt vor der Krise als Nummer 4 unter den
Investmentbanken der USA, nach Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merrill Lynch.
Nachdem die amerikanische Regierung im Herbst 2008 drei große Banken (Bear
Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac) mit Milliarden Dollar gestützt hatte, war
der politische Druck, weitere Banken nicht aufzufangen, so groß geworden, dass Paulson
(Gegenspieler des Lehman-Vorstandsvorsitzenden Richard Fuld) nach der Absage
der englischen Barclays-Bank, sich an Lehman zu beteiligen, keine weitere
Unterstützung bereitstellte, was – entgegen dem bisherigen Grundsatz too big to fail – zur Insolvenz von Lehman führte.
Jetzt weiß man definitiv, dass Paulson bereits Monate vor
der Lehman-Pleite mit Goldman Sachs Managern über diese Möglichkeit sprach.
Kein Wunder also, dass Goldman Sachs selbst im entscheidenden Moment dann fast
keine Positionen mehr mit Lehman hatte.
Für eine derartige Insiderinformation dürfte wohl der
gemeine Hedgefonds-Manager einen Haufen Geld auf den Tisch legen. Und, sofern er dabei erwischt würde, wohl
auch mit einiger Sicherheit in den Knast wandern. Aber als US-Finanzminister mit
Goldman-Vergangenheit scheint man sich das wohl erlauben zu dürfen ...?
Wer allerdings glaubte, dass die Drehtürpolitik, bei der die
personellen Verflechtungen zwischen Wissenschaft, Politik und Finanzwelt auf
das Verhältnis zwischen Washington und Wallstreet begrenzt seien, verkennt den
Stand der internationalen Entwicklung. Die Goldman-Connection hat sich jetzt
auch in Europa entscheidende finanzpolitische Positionen gesichert: Nach
Otmar Issing, seit 2007 International Advisor von Goldman Sachs, der die
Bundesregierung 2008 bei der Reform der internationalen Finanzmärkte beriet,
hat die Investmentbank inzwischen mit Mario Draghi als EZB-Chef, Lucas Papademos als neuem griechischen Premierminister (hat vor einem Jahrzehnt den Beitritt Griechenlands in die Eurozone
vorbereitet. Beim entsprechenden Präparieren der Bilanzen, dem
Verschleiern der tatsächlichen Verschuldung, half Goldman Sachs)
und Mario Monti als neuem italienischen
Ministerpräsidenten drei ihrer Ehemaligen (bzw. Mitstreiter) mitten im Zentrum der europäischen Geldpolitik
platziert.
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