Wir
leben gegenwärtig in den Nachwehen der gravierendsten
globalen Finanzkrise seit der Großen Depression. In ihrem Gefolge kam es in
vielen Ländern zur schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1930iger Jahren. Prof. Helge Peukert fragt sich: Was
haben wir bislang daraus gelernt? Stellt sich die Weltgesellschaft
(Öffentlichkeit, Medien, Politik, Wissenschaft usw.) in angemessener Art und
Weise dieser historischen Herausforderung der globalen Wirtschaftsgeschichte?
Bis heute ist nicht geklärt, was (den) entscheidenden Anteil an der Megakrise hatte. War es die Komplexität, die Größe, das Tempo oder die globale Natur der Finanzmärkte? Waren es die niedrigen Zinsen, die Komplexität der Derivate, falsche Ratings, stagnierende Löhne, unerwartete Preisentwicklungen am Häusermarkt, eine laxe Hypothekenpolitik, lasche Aufsichtsbehörden oder eine zu hohe Verschuldung der Finanzunternehmen oder ganzer Volkswirtschaften oder ... oder ...?
Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass alle aufgezählten Formen des Markt- und Staatsversagens gemeinsam eine Rolle gespielt und sich dabei gegenseitig in Form kumulativer Verursachung verstärkt haben. In jedem Fall hat die Finanzkrise das elementare Urvertrauen sehr vieler Menschen in das System als solches in Frage gestellt: Kompetente Bankdirektoren, Weltklassemanager, verantwortungsvolle Regulatoren und nicht korrumpierbare Ratingagenturen erwiesen sich als „entzauberte Köche toxischer Suppen“.
Bis heute ist nicht geklärt, was (den) entscheidenden Anteil an der Megakrise hatte. War es die Komplexität, die Größe, das Tempo oder die globale Natur der Finanzmärkte? Waren es die niedrigen Zinsen, die Komplexität der Derivate, falsche Ratings, stagnierende Löhne, unerwartete Preisentwicklungen am Häusermarkt, eine laxe Hypothekenpolitik, lasche Aufsichtsbehörden oder eine zu hohe Verschuldung der Finanzunternehmen oder ganzer Volkswirtschaften oder ... oder ...?
Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass alle aufgezählten Formen des Markt- und Staatsversagens gemeinsam eine Rolle gespielt und sich dabei gegenseitig in Form kumulativer Verursachung verstärkt haben. In jedem Fall hat die Finanzkrise das elementare Urvertrauen sehr vieler Menschen in das System als solches in Frage gestellt: Kompetente Bankdirektoren, Weltklassemanager, verantwortungsvolle Regulatoren und nicht korrumpierbare Ratingagenturen erwiesen sich als „entzauberte Köche toxischer Suppen“.
Die wohl wichtigsten Maximen oder Glaubenssätze waren:
- ein moderner Finanzsektor bringt Innovationen hervor, die per se als fruchtbar zu bewerten sind und die partieller Deregulierung des Bankensektors bedürfen,
- der Finanzsektor ist eine Wachstumsbranche, die für modernen Strukturwandel steht – Wall Street als Modell für den Rest der Welt,
- Globalisierung, die ja in weiten Teilen die globalisierten Finanzmärkte meint, wird pauschal und unkritisch positiv als wohlfahrtssteigernd für alle Beteiligten angesehen.
Klar und einfach ausgedrückt lautete die Devise der letzten Jahrzehnte: Der
private Finanzsektor weiß am besten wo es langgeht und sollte so weit wie
möglich in Ruhe gelassen werden. Die durchgehende Linie der These unschlagbarer
Märkte zieht sich in der Ökonomie von Adam
Smith über Hayek, Friedman,
die Varianten der Allgemeinen
Gleichgewichtstheorie und der Theorie
rationaler Erwartungen bis hin zu zeitgenössischen Ökonomen. Auch Alan
Greenspan beteuert noch 2007 seinen abgrundtiefen Glauben an die „unsichtbare
Hand“ und sieht den Staat und seine Institutionen lediglich in der Rolle
des Feuerwehrchefs, der systemische Verantwortung übernimmt.
„Da die Märkte zu komplex für menschliche Interventionen
geworden sind, ist die beste Krisenpolitik immer noch die, die dem Markt ein
Maximum an Flexibilität einräumt. Das bedeutet Handlungsfreiheit für die
wichtigsten Marktteilnehmer wie Hedge Funds, Kapitalgesellschaften und Investmentbanken.
Die Beseitigung von Ineffizienzen des Finanzmarktes erlaubt es liquiden
Märkten, Ungleichgewichte selbst zu bereinigen,“ meinte Greenspan und war sich
sicher, „dass Banken sehr viel besser in der Lage sind, andere Banken und Hedge
Funds zu kontrollieren als staatliche Regulierungsbehörden mit ihren
lehrbuchmäßigen Vorschriften.“ Es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben, was ein
solcher Marktradikaler an der Spitze der FED sollte.
