Mittwoch, 25. Januar 2012

Geld drucken? - Warum nicht?

Aber nicht für die Geschäftsbanken. Das wäre mal wieder die falsche Richtung.

Die Alternative lautet: Da Papiergeld immer ein öffentlich produziertes Gut aus dem Nichts ist, sollte die EZB den Staaten direkt und kostenlos frisches Zentralbankgeld in die Hand drücken und weder Tilgung noch Zins verlangen! Das frische Geld geht also nicht an die Banken, die es dann z.B. wie zurzeit für Spekulation in Rohstoffe, Aktien oder Währungen anlegen können. Die Staaten würden das Geld durch Realinvestitionen in Bildung, Soziales oder Infrastruktur in Umlauf bringen. Der nicht nur in Deutschland vorliegenden negativen staatlichen Investitionsquote wäre Einhalt geboten. Die USA, bei denen es in Grenzen eine solche Direktfinanzierung seit langem gibt, müssen hierbei allerdings nicht unbedingt als Vorbild dienen. Als Zuteilungsregel sollte vielmehr jedem Eurostaat Geld in Abhängigkeit von seinem Potentialwachstum zugeteilt werden, vereinfacht ausgedrückt: steigt das nationale Wirtschaftswachstum um 2%, so steigt auch die zugeteilte Geldmenge inflationsneutral um 2%.

Durch diese Zuteilungsregel wäre die EZB nicht mehr die Bank der Banken, die sich nach Umsetzung der Reform auf weniger Abenteuerlust einzustellen hätten, da ihr die EZB als Dauerausputzer über die Hauptrefinanzierungsgeschäfte nicht mehr zur Verfügung stünde. Man hätte auch das Problem eines einheitlichen Zinssatzes in Euroland gelöst. Denn frisches Geld wird ja nach länderspezifischem Wachstumspotential zugeteilt. Damit wird auch sichergestellt, dass die tüchtigen Länder belohnt werden, anstatt die Länder mit lockerem Zügel zu bezuschussen. Darüber hinaus würde das Entfallen der Staatsverschuldung angesichts der zunehmenden Einkommens- und Vermögenskonzentration eine Milderung der Reichtumskonzentration mit sich bringen. Denn zum einen stünde dadurch mehr Geld für öffentliche Güter zur Verfügung, weil die entfallene Bedienung des Schuldendienstes die Spielräume innerhalb der öffentlichen Haushalte nicht mehr beeinträchtigen würde. Und zum anderen fielen keine Zinseinnahmen durch den Besitz von Staatsanleihen beim oberen Viertel der Bevölkerung mehr an.

Es bedürfte auch keiner Kontrolle der nationalen Budgets durch die EU-Kommission, keiner Eurobonds und keiner einheitlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Durch die Ausschaltung der Finanzbranche als Intermediär beim Verkauf der Staatsanleihen entfielen auch die nicht gerade niedrigen Gebühren als Sickerverluste. Man wäre unabhängig von den Attacken der Kapitalmärkte und den Urteilen privatwirtschaftlicher Ratingagenturen. Man wäre nicht mehr auf ein funktionierendes internationales Währungssystem angewiesen, welches ohnehin in den Sternen steht. Trotz der Schuldenbremse könnte eine Strukturpolitik für öffentliche Güter erfolgen. Die Geldzufuhr verliefe über den Realsektor. Der Spekulation auf den Finanzmärkten und der Prozyklizität durch Kreditkaskaden wäre ein Riegel vorgeschoben.



Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Den Euro retten durch Gelddrucken" in der Rubrik "Herdentrieb - So funktioniert Kapitalismus" vom 24.01.2012

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