Dienstag, 25. September 2012

Kollektiver Selbstmord?

Die IWF-Chefin Lagarde behauptet, dass ihre Organisation glaubt, dass Sparmaßnahmen und Wachstum "in Einklang gebracht werden können und sich nicht gegenseitig ausschließen sollten". Sie sagt die Unwahrheit, so wie es der IWF regelmäßig seit Beginn der Krise tut. Sie stellt auch fest, dass die Prognosen des IWF einen Abwärtstrend verdeutlichen. Tatsache ist, dass der IWF seine Prognosen ständig überarbeitet, um sie niedrig zu halten, weil sie regelmäßig falsch sind. Sein sparpolitisches Mobbing soll in einem guten Licht erscheinen, indem er behauptet, das Wachstum würde dadurch größer werden. Die Realität sieht - nicht nur in Griechenland - vollkommen anders aus und das Wachstum fällt, ganz wie vorherzusehen war, geringer aus.
 
Das Aushängeschild des IWF - Irland - war die erste Nation, die seinerzeit der Erzählung von der Richtigkeit der Sparpolitik erlag. Die neuesten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen aus Irland, die letzte Woche veröffentlicht wurden, bieten hingegen weiterhin düstere Aussichten auf das, was dort geschieht. Das Sparprogramm tötet die Wirtschaft - langsam aber sicher. Joseph Stiglitz stellte jüngst fest: „Ich denke, Europa begeht gerade Selbstmord ... Es hat noch nie ein erfolgreiches Sparprogramm in irgendeinem großen Land gegeben ... Sinkendes Wachstum verursacht das Defizit, nicht anders herum. Ich denke, dass der Austeritätsansatz zu hoher Arbeitslosigkeit führt, die politisch inakzeptabel ist und die Defizite eher verschlimmert.


  • Im Jahr 2007 lagen in Irland die Investitionen (Bruttoanlageinvestitionen) saisonbereinigt und zu konstanten Preisen bei 37.196 Mio. Euro. Im Jahr 2011 waren es nur noch 16.390 Mio. Euro. Ein Rückgang von 56 Prozent. 
  • Im Jahr 2007 lag der private Konsum auf der Insel bei 85.936 Mio. Euro. Bis 2011 war er um 6,8 Prozent auf 80.056 Mio. Euro gesunken. 
  • Die Staatsausgaben fielen zwischen 2007 und 2011 um 13,9 Prozent

  • Das reale BIP (Real GDP) sank um 6,9 Prozent, während sich das reale Bruttonationaleinkommen (Real GNP) im selben Zeitraum um 11,2 Prozent verringerte. 
  • Der private Konsum, Staatsausgaben, private Investitionen sowie reales BIP sind in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2012 erneut gefallen. Das ist es, was man mit Austerität erreicht.

Trotz massiver
Sparmaßnahmen geht es also auch in Irland weiter bergab und die Menschen werden immer ärmer. Behauptungen, dass Irlands Sparprogramm ein Modell für andere Nationen darstellen könnte, weil es Wachstum produziere, können aus der Datenlage nicht ernsthaft abgeleitet werden. Ferner macht es die schwache Wirtschaftsleistung für Irland unmöglich, die lächerlichen finanzwirtschaftlichen Vorgaben zu erreichen, die die Troika im November 2010 gegen das Land verhängt hat. Es ist eine Torheit ohne gleichen - ein Trauerspiel für die Bevölkerung. Ein "Role Model" für Europa?

Offensichtlich nicht für alle Menschen auf dem Kontinent. Denn nach Griechenland erlebt nun auch Spanien auf der Straße zunehmend heftigen Widerstand der Bürger gegen die oktroyierte Sparpolitik. Erschreckende Bilder ungezügelter Gewalt.




Nachtrag
Europa am 29. September 2012:
  • Bis zu 80.000 Franzosen demonstrierten in Paris gegen den Sparkurs von Francoise Hollande. (dradio)
  • Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten in Lissabon gegen die Sparpolitik der portugiesischen Regierung. (Der Tagesspiegel)
  • Mehrere Zehntausend protestierten in Madrid zum dritten Mal innerhalb weniger Tage gegen die Sparpolitik. (Die Zeit)
  • Massendemonstration  auch in Deutschland. In 40 Städten gab es Kundgebungen gegen die soziale Ungerechtigkeit. (Frankfurter Rundschau)
  • Zu einer zentralen Kundgebung am Tag zuvor in Rom kamen 30.000 Menschen unter dem Motto: “Schluss mit den Belastungen für die Schwächsten. Wir haben schon gegeben”.
  • In Athen demonstrierten mehr als 100.000 Menschen gegen das Spardiktat aus Brüssel. (Hamburger Abendblatt)


1 Kommentar:

  1. This is really worth reading, it has too much details in it and yet it is so simple to understand...

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