Wenn unser Bundesfinanzminister ein drittes Rettungspaket für Griechenland nicht ausschließt, dann in erster Linie wohl deshalb, weil das
aktuelle wenig hilft. Denn mehr als die Hälfte des zweiten Rettungspakets geht
an die Banken. Nur knapp 55 Mrd. Euro kommen überhaupt im griechischen Haushalt
an. Und selbst davon ist ein großer Teil schon verplant. Helfen wird dieses
Paket den Griechen also kaum. Die haben danach nur geringfügig niedrigere
Schulden. Das einzige was sich wirklich ändert, ist die Zusammensetzung der
Gläubiger.
Und damit ist auch klar, wo das dritte Rettungspaket
ansetzen wird: Beim öffentlichen Sektor. Denn im privaten Sektor liegen bald
kaum noch Griechenbonds. Damit zeichnet sich mehr und mehr ab, dass am Ende der
Großteil der griechischen Schulden von der EU sozialisiert werden dürfte.
Dennoch stimmt der Bundestag heute über das Paket ab. Ob
alle Abgeordneten bei dem absurden Umschuldungstheater verstanden haben, wo die Reise hin geht, darf bezweifelt
werden. 726 Seiten – so viel müssten sie durchackern, um Bescheid zu wissen,
wird kaum jemand gelesen haben. Selbst diejenigen, die es dennoch taten, werden
wahrscheinlich nicht bemerkt haben, dass der wichtigste Teil in den Unterlagen sogar
noch fehlt: die Schuldenanalyse der Troika nämlich, die den Finanzministern
vorige Woche als Grundlage für ihre Entscheidung gedient hatte.
Bei der ganzen Rettungsaktion ist sogar noch unklar, ob letzten
Endes die griechischen Pensionskassen und Sozialversicherungsvereine überhaupt gerettet
werden. Sollten wirklich nur die Löcher in den Bilanzen der Banken gestopft
werden und das Sozialsystem müsste die Verluste aus dem Haircut selber verkraften,
wäre das ein dicker Skandal und zeigte einmal mehr exemplarisch die Präferenz
der Politiker: Immer zuerst die Banken, dann das Volk.
Hierzu auch die Webschau auf dradio wissen: "Wir sind alle Griechen"
Hierzu auch die Webschau auf dradio wissen: "Wir sind alle Griechen"

