Donnerstag, 31. Januar 2013

Das Schweigen der Berater



Was der Sachverständigenrat an die Bundeskanzlerin hätte schreiben müssen.

Die hat jüngst in Davos ihre wirtschaftspolitische Position dargelegt. Endlich, möchte man meinen, nachdem die Bundesregierung bis heute noch nicht einmal die Ursachen der Finanzkrise von 2008 analysiert und den Bürgern ihre Deutung der Ereignisse einfach vorenthalten hat.

 
„Nun aber, da klar ist, wie Frau Merkel denkt, ist es Zeit zu handeln. Aber niemand handelt.“ meint Prof. Flassbeck und diktiert dem Sachverständigenrat folgendes in die Feder:



„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
mit erheblicher Sorge hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ihre wirtschaftspolitischen Aussagen in den vergangenen Monaten zur Kenntnis genommen…
Ihre Aussage, die Staaten des Euroraums könnten nur wachsen, wenn ihre Produkte global verkäuflich sind, ist doch nur sehr eingeschränkt als richtig zu interpretieren….Handel ist nun mal keine Einbahnstraße, sondern beruht zwingend und immer auf Nehmen und Geben.
Ihr Zusatz, das Thema Wettbewerbsfähigkeit sei deswegen so wichtig, lässt uns allerdings stutzen. Wettbewerbsfähigkeit kann ja gerade nicht heißen, dass ein Land oder auch eine Ländergruppe so wettbewerbsstark sind, dass andere nichts mehr verkaufen können…
Dass Sie bei der Interpretation der globalen Lage einen schwerwiegenden logischen Fehler machen, lässt sich leider nach der Lektüre Ihres Satzes über die Relation der Sozialausgaben zum gesamten Einkommen nicht mehr ausschließen…
Jedes Land erwirtschaftet mit einer bestimmten Menge von Beschäftigten ein bestimmtes Einkommen. Erfolgreiche Länder erhöhen ihr Einkommen jedes Jahr, weil es gelingt … die sogenannte Produktivität zu erhöhen ... In welcher Weise man die erwirtschaftete Produktivität verteilt, ist für die Wettbewerbsfähigkeit unerheblich ... Entscheidend ist immer nur die Produktivität pro Stunde im Verhältnis zu den Kosten pro Stunde...
Um nicht missverstanden zu werden, auch die letztgenannte Relation ist nur relevant innerhalb des Rahmens einer Währungsunion. Zwischen Ländern mit jeweils nationalen Währungen kommt es auf die Lohnstückkosten ausgedrückt in internationaler Währung an…
Schließlich kommen wir nicht umhin, sie darauf hinzuweisen, dass ihre Aussage über die Mehrausgaben im Verhältnis zu den Einnahmen, für „alle“ keiner sachlichen Überprüfung standhält. „Alle“ können schlicht nicht mehr ausgeben als sie einnehmen...
Obwohl sich der SVR aller wirtschaftspolitischen Empfehlungen zu enthalten hat, bitten wir sie aus den oben genannten Gründen doch, auf die angekündigte Schaffung eines Wettbewerbspaktes in Europa zu verzichten…
Mit Hochachtung, aber in tiefer Sorge
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“

Den gesamten Text lesen Sie hier.


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