Donnerstag, 10. Januar 2013

Saldenmechanik - zu Unrecht vergessen



Die Erkenntnisse von Prof. Wolfgang Stützel gehörten in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Grundlagenwissen der Volkswirtschaftslehre. Dann gerieten sie in Vergessenheit. 

Vor einigen Jahren hat  Jörg Buschbeck das Thema wieder neu entdeckt und die Initative ergriffen, damit das längst vergriffene Stützel-Buch über die Volkswirtschaftliche Saldenmechanik wieder neu aufgelegt wird. Die Worte von Herrn Siebeck, dem Verleger sollen gewesen sein: “Sie brauchen mir nichts zu erzählen Herr Buschbeck, mit Stützel wäre die Eurokrise nicht passiert – das Buch kauft nur keiner mehr”. Vielleicht jetzt doch wieder. Denn nie war er für Ökonomen so wertvoll wie heute. Das mag auf den ersten Blick überraschen, da allein „trivial-arithmetische“ Zusammenhänge Gegenstand der Saldenmechanik sind.
Allzu vieles von dem jedoch, was heute vorschnell zu einer Frage der Theorie oder der Ideologie erklärt wird, ist bei kritischer Betrachtung nur eine Folge bewusst oder unbewusst ungenauen Denkens. Wenn aber die Volkswirte die gesamtwirtschaftliche Logik nicht in die politische Diskussion einbringen, verkommt diese tatsächlich zum Diskurs über Ideologie oder fällt schlicht in einzelwirtschaftliches Kalkül zurück.
Nun hat mit dem "Herdentrieb" auf ZEIT ONLINE auch endlich einer der wichtigsten Wirtschaftsblogs in Deutschland das Thema aufgegriffen. 



"Während Stützel in den 60er und 70er Jahren weit über die Ökonomenzunft hinaus bekannt war, ist er heute fast vergessen, einige Keynesianer berufen sich noch hie und da auf ihn, gelesen hat die Saldenmechanik kaum jemand. Dabei steckt so viel in ihr. Denn das ehemalige Mitglied des Sachverständigenrates zeigte, dass man keine abstrakten Modelle und Fantasie-Annahmen über das Verhalten des Menschen braucht – wie etwa den stets rationalen Homo Oeconomicus -, um rigorose und logisch notwendige Schlussfolgerungen über die real existierende Wirtschaft zu ziehen. Eigentlich braucht es nur ein ordentliches Verständnis von so etwas Trivialem wie der Buchhaltung."







Es scheint, als erlebe die Saldenmechanik jetzt eine Renaissance. Denn die dort dargestellten Zusammenhänge gelten nach wie vor als wichtiges, zeitweise verlorenes Basiswissen. Die Saldenmechanik hat das Zeug dazu, die aktuellen Diskussionen über die Finanz- und die Euro-Krise in eine erfrischend neue, lösungsorientierte Richtung zu lenken.



"Auch die Schuldenkrise – ob in Europa oder den USA – lässt sich gut mit diesen trivial-arithmetischen Beziehungen fassen: Wenn man in der Schuldenkrise steckt und seine Schulden gefälligst zurückzahlen soll, dann fordern Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank, Europäische Kommission und ganz laut die deutsche Regierung, dass die Krisenländer ihre Gürtel enger schnallen und ihre Ausgaben kürzen sollen. Nur kommt man an der Tatsache nicht vorbei, dass die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen sind, die Importe der Krisenländer also die Exporte etwa Deutschlands. Wenn die Krisenländer aber ihre Ausgaben, vor allem ihre Importe, senken müssen, um nicht mehr neue Schulden aufzunehmen, fallen in Deutschland die Exporte und damit die Einnahmen deutscher Unternehmen. Das deutsche Spardiktat wird zum Eigentor."


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