Mittwoch, 6. November 2013

Die Welt fährt BMW - ohne Gegenleistung!





Um es gleich vorweg zu nehmen: Im verlinkten Beitrag steht nicht, dass Deutschland allein verantwortlich ist für die missliche Lage, in der sich die Euro-Zone derzeit befindet. Es wird aber sehr anschaulich dargestellt, warum vor allem die deutsche Wirtschaft bislang weitgehend unbehelligt durch die Euro-Krise gekommen ist. Nämlich deswegen, weil sich die politisch Verantwortlichen hierzulande seit Beginn der Währungsunion nicht an die vereinbarten Regeln gehalten haben und sie daran niemand von den Verantwortlichen in den zuständigen europäischen Behörden gehindert hat.



"Eine Währungs-Union ist ein Werkzeug, das verschiedene Nationen in einem Binnen-Wirtschaftsraum miteinander Handel treiben lässt, ohne dass dauernd Störungen und Ungleichgewichte entstehen und eben diesen Handel, massiv behindern. Der Euro ist ein Versuch, dieser Anforderung eines Binnenmarktes gerecht zu werden und Stabilität zu schaffen. Dass es in der Zwischenzeit so aussieht, als sei alles schiefgelaufen, ist in Wirklichkeit jedoch nicht die Schuld des Euros, wie manche Stammtisch-Plauderer uns Weiß machen wollen, sondern die Währungs-Union wurde einfach lausig gemanagt."



Die Tatsache, dass Deutschland seit Jahrzehnten Waren und Dienstleistungen von größerem Wert exportiert als es einführt, bedeutet nichts anderes, als dass es seinen Handelspartnern sozusagen permanent sein eigenes Defizit aufs Auge drückt.



"Deutschland ist zum billigen Krämer in Europa geworden. Es verschleudert seine Produkte, weil es die Löhne nicht erhöht hat…Eine Währungsunion macht man so, und dies ist die Hauptregel neben anderem ziemlich Unwichtigem, dass sich jeder an seine eigenen nationalen Verhältnisse anpasst, und dies ist die Produktivität. Um das Punktziel 1,9 Prozent Inflation zu erreichen, müssen also die Löhne / Lohnstückkosten immer gemeinsam mit der Produktivität steigen, bzw. um 2 Prozent darüber liegen. Was nun die jeweiligen Staaten mit der eigenen Produktivität anfangen ist für die Währungs-Union völlig egal…dass die Löhne / Lohnstückkosten, 2 Prozent über der Produktivität liegen, jedoch absolut unverzichtbar."





Erschwerend kommt hinzu, dass Deutschland seinen Handelspartnern bislang nicht einmal auch nur die Chance gibt, diesen „Kredit“ jemals zurück zu zahlen. Denn dazu müssten diese ja in Zukunft irgendwann einmal Überschüsse erwirtschaften, anstatt dauernd Defizite (in ihrer Leistungsbilanz) zu machen und dafür neue Nettokredite (vor allem in Deutschland) aufzunehmen. Wenn jedoch Deutschland, dass stets unter seinen Verhältnissen lebt und weniger verbraucht, als es produziert, niemals Defizite akzeptiert und stattdessen seine Überschüsse noch mit Zähnen und Klauen (Lohndumping) verteidigt, verhindert es bewusst einen Ausgleich der Wettbewerbsfähigkeiten.



"Man kann sich zwar einreden, wie es Deutschland und Österreich tun, dass sie durch Lohnzurückhaltung und Billiglohn eine niedrige Arbeitslosenrate haben. Doch transportieren sie durch dieses Verhalten die Arbeitslosigkeit zu den übrigen Unionsmitgliedern. Am Ende aber werden auch die Sieger Verlierer sein. Denn wenn die anderen Pleite sind, und keine Schulden mehr machen können: An wen will man dann die schönen Produkte verkaufen? Man hat dann zwar keine Konkurrenz, aber auch keine Kunden mehr."



Spätestens dann wird auch der Letzte begreifen, dass dauerhafte Exportüberschüsse eigentlich ziemlich dumm sind! Wir geben unseren Handelspartnern die Kredite, die sie brauchen, um unsere Waren zu kaufen. Wir liefern Waren … und bekommen von ihnen dauerhaft ein Versprechen, dass sie nicht halten können, weil wir es verhindern!? Die Welt fährt BMW ohne Gegenleistung. Zahlen tut’s der deutsche Michel, der die Autos gebaut hat. Über Steuern, Abgaben, Gebühren und seine reduzierten Rentenansprüche.



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