Donnerstag, 21. November 2013

Nichts dazu gelernt

Die ökonomische Debatte um die deutschen Exportüberschüsse ist nicht neu. Neu ist die polemische Schärfe, durch die sich etliche der zahlenmäßig deutlich überwiegenden Pro-Kommentare in den deutschen Medien auszeichnen. Das lässt vermuten, dass den Systemtreuen allmählich die sachlichen Argumente fehlen. Darüber sollte sich niemand wundern. Zumal bereits 2004 ein gewisser Johann Eekhoff, schon zu Lebzeiten einer der prominentesten Ordnungspolitiker in Deutschland und als Botschafter der INSM keinesfalls im Verdacht stehend, ein Linker zu sein, im Handelsblatt den wirtschaftspolitischen Rahmen für Leistungsbilanzüberschüsse abgesteckt hat. Zitate auszugsweise:
„Es gibt kein originäres Interesse daran, einen Exportüberschuss zu erzielen, weil das ja bedeuten würde, dass auf den Gegenwert oder wenigstens auf den Gegenwert für einen Teil der exportierten Güter verzichtet würde.

Dem Ausland zunächst einen Teil der Güter zu überlassen lohnt sich nur, wenn in Zukunft (mehr) Güter zurückfließen, wenn also später Importüberschüsse entstehen.


Ein Exportüberschuss ist wie eine normale Kapitalanlage zu betrachten. Er lohnt sich nur, wenn die künftigen Konsummöglichkeiten eines Landes erhöht werden, wenn also mit dem gegenwärtigen Exportüberschuss ein wertmäßig höherer künftiger Importüberschuss erzielt wird.

Zu relativieren ist auch die Vorstellung, Exportüberschüsse seien ein zuverlässiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des Inlands als Standort für die Produktion international handelbarer Güter und Dienstleistungen. Das Gegenteil kann der Fall sein.

Eine Aufwertung des Euros kann sich ergeben, wenn in anderen Ländern die Vorliebe für Produkte aus dem Euro-Raum zunimmt. Das ist eine begrüßenswerte Ursache für eine Aufwertung. Wichtiger für eine Aufwertung sind aber Unterschiede in der erwarteten Geldwertstabilität.

Deshalb sollte sich niemand an das schöne Bild des Exportweltmeisters klammern, sondern beharrlich dafür eintreten, die Produktions- und Beschäftigungsbedingungen im eigenen Land zu verbessern, um mobiles Risikokapital anzuziehen.“



Unabhängig von der Frage, „Cui bono? – Wem zum Vorteil?“, erinnert das unqualifizierte Gezeter gegenüber dem Ausland verdammt an Kaiser Wilhelm II. Der fühlte sich in einer merkwürdigen Mischung aus nationaler Kraftmeierei, Minderwertigkeitskomplexen und beleidigter Miene bekanntlich so lange von seinen außenpolitischen Feinden umstellt, bis sie sich tatsächlich alle gegen ihn verbündet hatten. Wo das endete, wissen wir.



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